„Es ist wie die ganze Welt auf einem Fleck!“

Dornstetter Pfadfinder auf weltweitem Treffen in Japan

Das größte Erlebnis im Pfadileleben ist das Welttreffen der Pfadfinder, das alle vier Jahre, jedes Jahr in einem anderen Land, stattfindet: Das World Scout Jamboree. 1907 wurden die Pfadfinder von Lord Baden Powell in London gegründet, wo 1920 auch das erste Jamboree stattfand. Dieses Jahr waren im Württemberger Trupp namens „Herrgottsbscheißerle“ unter 32 Anderen Julia Heinrich und Franziska Zepf als Teilnehmerinnen und Dorothee Böhringer als eine von vier Truppleitern aus Dornstetten dabei. Das besondere am Weltpfadfindertreffen ist, dass man als Teilnehmer nur ein Mal im Leben mit kann, nämlich zwischen 14 und 17 Jahren. Das Ziel war dieses Mal besonders exotisch: am 24.07. flogen wir mit unserem Trupp von Frankfurt über Qatar nach Tokyo, wo wir gleich von der japanischen schwülen Hitze und einer beeindruckend riesigen Großstadt empfangen wurden. Den zweiten Tag verbrachten wir zusammen mit dem kompletten deutschen Kontingent, das sind alle über 1000 Teilnehmer und Truppleitungen aus Deutschland am Fuße des Vulkans Mt. Fuji. Von dort aus fuhren wir mit Bussen über 12 Stunden lang in den Süden Japans nach Yamaguchi auf das World Scout Jamboree, wo uns 10 Tage voller Programm, Kulturen, Religionen, Sprachen, Menschen aus aller Welt, Aktivität, Spaß, Feiern und Zelten erwarteten. Zusammen mit 34.000 Jugendlichen aus 150 Ländern wohnten wir zwölf Tage in einer Zeltstadt auf einer Fläche von 3×1 km.

Hiroshima

Franziska und Julia im „Peace Memorial Park“ in Hiroshima. Im Hintergrund das einzige stehengebliebene Gebäude nach dem Atombombenabwurf 1945

Es gab jeden Tag vielfältiges Programm, auf dem Gelände und außerhalb. Wenn wir Freizeit hatten, haben wir Postkarten geschrieben, Wäsche gewaschen, uns mit Leuten aus anderen Ländern unterhalten und angefreundet und Aufnäher getauscht, wie es auf den Jamborees üblich ist.

Weil der 70. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6.8., also während des Jamborees war, haben alle 34.000 Teilnehmer auf die zehn Programmtage verteilt einmal den Peace Memorial Park und das Museum in Hiroshima besucht. Für uns war dieser Tag sehr beeindruckend, weil man sehr viel über den Atombombenabwurf gelernt hat und den ganzen Schrecken und die Trauer auch in verschiedenen Reden mitgefühlt hat. Ein weiterer interessanter Programmpunkt war der „Culture Day“, bei dem es viele Workshops gab, bei denen wir verschiedene Kulturen kennengelernt und viele Erinnerungsstücke selbst gemacht haben. Außerdem haben wir einen japanischen Affenzoo besucht, einen typischen japanischen Tanz gelernt, beim „food-festival“ Essen aus ganz vielen verschiedenen Ländern probiert, Gottesdienste von anderen Religionen erlebt, einen japanischen Glücksbringer gebastelt und einen Berg bestiegen. Ein äußerst amüsantes Programm war der „Water activity day“. Am Strand in Hikari City durften wir Banana Boat fahren und ins Wasser, wo wir erstmal ein wenig verdutzt waren, als die japanische Badeaufsicht uns erlaubt hat, bis zu den Knien ins Wasser zu gehen, aber ja nicht weiter! Später durften wir aber doch noch etwas in einem abgesperrten Bereich im Meer schwimmen, aber natürlich nur unter strenger Aufsicht.

Am Abend des 7. Augusts war schon die „Closing Ceremony“, der Lagerabschluss. Wie bei der „Opening Ceremony“ auch, versammelten sich alle Teilnehmer und Mitarbeiter an der Arena. Dort gab es verschiedene Ansprachen, Musik, die feierliche Übergabe der Jamboree-Flagge an das Gastgeberland des nächsten Jamborees, die USA und zum Schluss ein großes Feuerwerk. Zwölf wundervolle und erlebnisreiche Tage auf dem World Scout Jamboree waren vorbei, aber noch lange nicht unsere Reise! Denn unser Trupp hat sich noch auf eine ausführliche Nachtour gemacht, um Japan und seine Städte zu erkunden.

Unser erster Halt war in Osaka. Dort haben wir drei Tage in einer Gastfamilie verbracht. Wir waren auf einem Festival, im Sushirestaurant, lernten, wie man japanisch kocht und Süßigkeiten bereitet und wie der Alltag der Japaner aussieht.

Kobe mit seinem bunten Multi-Kulti-Viertel war unser nächster Stopp. Wir wanderten auf den Hausberg Mt. Maya, um von oben eine wundervolle Aussicht über Kobe zu genießen und badeten am Strand.

In Takamatsu gab es einen wunderschönen, großen japanischen Garten zu besichtigen, ein interessantes Freilichtmuseum und ein buntes Straßenfestival. Einen Tag lang liehen wir Fahrräder aus und machten in Gruppen verschiedene Touren.

Unsere letzten paar Tage verbrachten wir in der Kulturhauptstadt Japans: Kyoto. Auf dem Weg dort hin fuhren wir zum ersten Mal ein Stück mit dem Shinkansen, dem berühmten japanischen Hochgeschwindigkeitszug. In Kyoto besuchten wir sehr viele Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen wie Shreine, Tempel, einen japanischen Palast, die Altstadt, einen Bambuswald, einen Affenberg und den berühmten Weg der 10.000 Tore, der kilometerlang durch unzählige rote Tore führt. Am letzten Tag machten wir von Kyoto noch einen Abstecher in die Stadt Nara, die als Geburtsort der japanischen Kultur gilt. 8 der insgesamt 14 Weltkulturerbe-Monumenten, die es in Japan gibt, befinden sich dort, unter anderem die weltgrößte Buddha-Statue.

Wer heute zwischen 10 und 13 Jahre alt ist, kann zum Trupp für das 24. World Scout Jamboree gehören. Es findet 2019 im US-Staat West Virgina statt. Schon in zwei Jahren werden die Vorbereitungen und die ersten Vortreffen beginnen.

Updated: 6. September 2015 — 21:01
VCP Dornstetten © 2014 Frontier Theme